{"id":214,"date":"2026-04-09T18:10:18","date_gmt":"2026-04-09T16:10:18","guid":{"rendered":"https:\/\/onodi.at\/?page_id=214"},"modified":"2026-04-09T20:07:33","modified_gmt":"2026-04-09T18:07:33","slug":"die-sezession-beim-jungen-hofmannsthal-und-rilke-bzw-babits-und-kosztolanyi-1983","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/onodi.at\/?page_id=214","title":{"rendered":"Die Sezession beim jungen Hofmannsthal und Rilke bzw. Babits und Kosztol\u00e1nyi (1983)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"696\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/onodi.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-08-at-19.25.58-696x1024.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-215\" style=\"aspect-ratio:0.6796924240514307;width:226px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/onodi.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-08-at-19.25.58-696x1024.png 696w, https:\/\/onodi.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-08-at-19.25.58-204x300.png 204w, https:\/\/onodi.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-08-at-19.25.58-768x1130.png 768w, https:\/\/onodi.at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Screenshot-2026-04-08-at-19.25.58.png 990w\" sizes=\"auto, (max-width: 696px) 100vw, 696px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">(In: NEOHELICON XI 1 Budapest, Amsterdam, 1984. 125-134.)<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Reihe von Problemen ergibt sich in Bezug auf die Sezession, die zwar die Literaturwissenschaft bereits seit vielen Jahren zu kl\u00e4ren versucht. Es bleiben immer noch viele Fragen ohne eine befriedigende Antwort. H\u00f6chst problematisch ist bereits die Benennung Sezession; ob &#8220;Jugendstil&#8221;, &#8220;art nouveau&#8221; oder &#8220;new style&#8221; entsprechender w\u00e4re, ist auch nicht geringer fraglich. Ein anderes Problem bedeutet, da\u00df diese Kategorien &#8211; egal ob &#8220;Sezession&#8221;, &#8220;Jugendstil&#8221; oder &#8220;art nouveau&#8221; &#8211; urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Benennung der Ph\u00e4nomene der Kunst um die Jahrhundertwende gedacht waren, und auch heute r\u00fcckblickend einen prim\u00e4ren Bezug auf die bildenden K\u00fcnste haben. Was ist aber das Spezifische der Literatur, die auch sezessionistisch genannt wird, wie die Kunst zu dieser Zeit? Es entstanden bereits viele kunsthistorische Studien (ein gro\u00dfartiger Versuch der Bestimmung des &#8220;Sezession&#8221;-Begriffes der Kunsthisatorie ist u.a. der Band von Wallis), die die sezessionistischen Motive und Eigenarten nach den verschiedensten Gesichtspunkten systematisierten. Es gibt aber in der Literatur selbstverst\u00e4ndlich keine Entsprechung der in der sezessionistischen Malerei so sehr bevorzugten Linie;  und die <em>in der Literatur <\/em>eventuell dargestellten sezessionistischen Motive, wie z.B. eigenartige Pflanzen- und Tierformen oder schlanke, blasse Frauen, wie etwa auf den sezessionistischen Gem\u00e4lden , bedeuten nicht eine <em>durch die Literatur<\/em> dargestellte Sezession. Was dies letzteres sei, versucht dieser Aufsatz im wesentlichen auf einem beschr\u00e4nkten Gebiet der Literatur zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir beharren absichtlich auf der Benennung &#8220;Sezession&#8221;, obwohl auch sie, wie die bereits erw\u00e4hnten Alternativen, Probleme nach sich zieht. Problematisch ist vor allem, da\u00df die Stilkategorie &#8220;Sezession&#8221; einen starken Bezug auf die \u00f6sterreichische Kunst und Literatur hat, hier hat sie sich eingeb\u00fcrgert und wird nicht gern f\u00fcr die Benennung der Ph\u00e4nomene in anderen Literaturen um die Jahrhundertwende verwendet., ohne da\u00df man einen Einflu\u00df der \u00f6sterreichischen Literatur anerkennt. Die Benennung art nouveau ist aber in dieser Hinsicht auch nicht weniger fragw\u00fcrdig; Alad\u00e1r Koml\u00f3s z.B., der auf Grund einer wirkungsgeschichtlichen Orientierung auch f\u00fcr die Benennung der Erscheinungskomplexe der ungarischen Literatur um die Jahrhundertwende &#8220;art nouveau&#8221; vorgeschlagen hat, schreibt der franz\u00f6sischen Literatur zu dieser Zeit einen starken Einflu\u00df auf die unsere zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir halten nun &#8220;Sezession&#8221; trotz allen Schw\u00e4chen der Kategorie f\u00fcr semantisch relevanter als alle anderen Varianten. Darunter wird n\u00e4mlich im urspr\u00fcnglichen Sinne &#8220;Trennung&#8221;, &#8220;Absonderung&#8221; verstanden, was auf die Literatur um die Jahrhundertwende bezogen, nicht in erster Linie die Opposition dieses Stils zu den vorangehenden Stilen bedeutet, sondern vielmehr den Auszug der Kunst aus dem Leben, mit allen seinen stilistischen Konsequenzen. Die Annahme der zusammenfassenden, geschichtlichen Stilkatagorie &#8220;Sezession&#8221; bedeutet aber nicht, da\u00df wir damit einen einfachen, wirkungsgeschichtlich leicht beweisbaren Einflu\u00df der \u00f6sterreichischen Literatur auf die ungarische anerkennen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das Spezifische der sezessionistischen Literatur im allgemeinen und ihre Varianten bei den erw\u00e4hnten Schriftstellern zu erschlie\u00dfen,, stellen wir absichtlich Hofmannstahls Roman-Torso, <em>Andreas, oder die Vereinigten<\/em> in den Mittelpunkt. In diesem Roman beginnt Hofmannsthal n\u00e4mlich die Sezession &#8211; die bei ihm nie blo\u00df Motive und Formen bedeutet, sondern dahinter steht auch eine Verhaltensweise, ein Weltbild &#8211; zu \u00fcberwinden, und eben deshalb f\u00fchlen wir das Sezessionistische des Werkes bereits in seinem Kontrast viel mehr nachdr\u00fccklicher. Von der H\u00f6he des <em>Andreas <\/em>wird versucht, sowohl die sezessionistischen Momente der Jugendwerke von Hofmannsthal und Rilke als auch die von Babits und Kosztol\u00e1nyi zu \u00fcberblicken und ihre Abweichungen zu fixieren.<\/p>\n\n\n\n<p>In <em>Andreas<\/em> geht alles &#8211; mit einem von Kierkegaard genommenen Begriff bezeichnet &#8211; um den &#8220;\u00e4sthetischen Zustand&#8221; und dessen \u00dcberwindung. Unter &#8220;\u00e4sthetischem Zustand&#8221; verstehen wir im wesentlichen, da\u00df Andreas lange, ganz bis zum geplanten Ende des Romans nicht imstande ist, sich vorbehaltlos hinzugeben, d.h. er hat immer nur Angst, in der Hingabe sich selbst als blo\u00dfes Subjekt zu verlieren; er kann nicht zugleich Objekt werden, oder konkreter gesagt: er kann nicht geliebt werden. (Dieses Motiv ist \u00fcbrigens z.B. auch f\u00fcr Rilke sehr charakteristisch.) Das ist der richtige Ausgangspunkt der Sezessionbei Hofmannsthal, nicht nur im <em>Andreas<\/em>, sondern in den fr\u00fchen Gedichten und den sog. lyrischen Dramen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man sich eine kleine Episode des Romans, und zwar Andreas\u00b4 Abenteuer mit Nina etwas n\u00e4her betrachtet, zeigt sich das Spezifische dieser Sezession, bzw. tauchen bereits Motive auf, die in die Richtung der \u00dcberwindung der Sezession bei Hofmannsthal zeigen; in diesem Abenteuer beginnt n\u00e4mlich das Problematisch-Werden des \u00c4sthetischen. Wichtig ist, da\u00df Andreas von dem Abenteuer mit Nina ein Geheimnis, ein seltsames Mann\/Weib trifft &#8211; wir wissen aus Hofmannstahls Notizen, da\u00df es Maria\/Mariquita war &#8211; , eine Erscheinung, die er nicht erkl\u00e4ren kann. Dieses Geheimnis wirkt auch auf seine Beziehung zu Nina aus, es weist aber bereits in Richtung der \u00dcberwindung des \u00c4sthetischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun, das Liebesabenteuer mit Nina beginnt wie das mit Romana: es stellt sich heraus, da\u00df Andreas unf\u00e4hig ist, mit seiner Begierde Nina zu erreichen; entweder die Erinnerung an Romana oder das Gef\u00fchl, da\u00df jemand da ist, l\u00f6scht sie gleich aus. Dann versucht Andreas seine Beziehung zu Nina in der Phantasie zu gestalten, wie es auch im Falle von Romana gewesen ist. Die Vorstellung des Dachgartens, wo Andreas alles, inbegriffen Nina selbstverst\u00e4ndlich besitzt, ist ein typischer Versuch des &#8220;\u00e4sthetischen Zustandes&#8221;:  &#8220;er war kein zuf\u00e4lliger Besuch, den jedes  Knarren einer T\u00fcr aufschreckte (&#8230;) er war der berechtigte Freund, der Herr dieses Zaubergartens und der Herr seiner Herrin.&#8221;  Ninas Frage zieht ihn zwar aus dem gl\u00fccklichen Traum zur\u00fcck, aber weil sie eben nur ein Objekt f\u00fcr ihn ist, k\u00f6nnte  dieses Bewu\u00dftwerden auch nicht besonders st\u00f6rend sein.; ein Objekt n\u00e4mlich, das blo\u00df da ist, l\u00e4\u00dft sich immer wieder leicht in die Phantasie verwandeln. Nicht aber das Geheimnis. Es beunruhigt Andreas, und treibt ihn wiedermal zur Verzweiflung: &#8220;Der Gedanke an seine Unbekannte fiel ihm ein, aber wie ein Schreck. (&#8230;) Dieses Wesen war in der Welt, darin lag etwas, das unentfliehbar war.&#8221; Das ist der Punkt eigentlich, wo sich Andreas zu entwickeln beginnt, in der Verzweiflung, die diesmal im \u00c4sthetischen nicht zu l\u00f6sen ist. Schutz suchend n\u00e4hert er sich Nina: &#8220;Die Brust wurde ihm enger, ihm war, als m\u00fcsse er Schutz suchen, er trat im Zimmer zur\u00fcck, er st\u00fctzte sich auf die Lehne des Sofas und beugte sich \u00fcber Nina.&#8221; Die Erinnerung an die Kindertr\u00e4ume st\u00f6rt zwar auch hier seinen Entschluss, weckt Zweifel, aber nicht minder das Tr\u00e4umen selbst: es sind n\u00e4mlich &#8220;bis zum Ekel oft getr\u00e4umte Kindertr\u00e4ume&#8221;. Ohne Hoffnung, verzweifelt erfa\u00dft nun Andreas Ninas Hand, damit verliert er aber Nina als blo\u00dfes Objekt, d.h. er verliert sich als blo\u00dfes Subjekt, und das schreckt ihn auch zur\u00fcck. &#8220;Die Ahnung eines L\u00e4chelns lag noch auf ihrer Oberlippe, aber ein vergehendes, beinahe angstvolles L\u00e4cheln schien einen Kuss dorthin zu rufen. Nichts konnte ihn tiefer und j\u00e4her erschrecken als diese Zeichen, die einen andern vielleicht k\u00fchn, ja frech gemacht h\u00e4tten. (&#8230;) Er war verwirrt \u00fcber die Ma\u00dfen.&#8221;  Andreas ist also in eine Sackgasse geraten: vor dem Schreck such er Nina, aber vor Nina bekommt er wieder mal Schreck. Es ist aber fraglich, ob er noch irgendwohin fliehen kann. Sein letzter Versuch, Nina nochmals im Traum und in der Phantasie allein f\u00fcr sich zu retten und zum gl\u00fccklichen Gef\u00fchl vor der Qual zur\u00fcckzufinden, mu\u00df auch scheitern. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir verblieben vielleicht zu lange beim <em>Andreas<\/em>, sind aber der Meinung, da\u00df die Wurzeln der Sezession bei Hofmannsthal in den hier vorgebrachten Merkmalen zu suchen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>Prolog zu dem Buch &#8220;Anatol&#8221;<\/em> wird auch \u00e4hnlich formuliert, worum es in Fr\u00fchwerk Hofmannsthal geht. &#8220;Also spielen wir Theater \/ Spielen unsere eigenen St\u00fccke (&#8230;) Die Kom\u00f6die unserer Seele \/ Unseres F\u00fchlens Heut und Gestern&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>In den lyrischen Dramen kommt auch ja immer nur das &#8220;\u00e4sthetische Moment&#8221; zum Ausdruck, was auch noch das In-Sich-Geschlossensein des Einzelnen bedeutet. Der Diener sagt z.B. im <em>Kleinen <\/em><i>Welttheaters<\/i>  \u00fcber seinen Herrn: &#8220;Das ganze Leben l\u00e4\u00dft er drau\u00dfen &#8220;, und der Wahnsinnige \u00e4u\u00dfert sich nicht weniger charakteristisch f\u00fcr diese fr\u00fchen Dramen: &#8220;Was aber sind Pal\u00e4ste und die Gedichte: \/ Traumhaftes Abbild des Wirklichen.&#8221; Gleich sind sie alle, Tizians Anh\u00e4nger, die durch das Werk, d.h. durch die Sch\u00f6nheit dem Leben Leben geben wollen, Claudio, der sein ganzes, blo\u00df in der Phantasie gestaltetes Leben bereut, oder Fortunio z.B. , der pl\u00f6tzlich erkennt: &#8220;Erinnerung ist alles, was mir blieb.&#8221;  Krankhafte Zur\u00fcckgeworfenheit auf sich selbst bedeutet hier die Sezession:  seltsame Tr\u00e4ume, die Verflechtung verschiedener Momente in ein Ganzes, den Reigentanz der Sch\u00f6nheit und Phantasiebilder \u00fcber den Tod.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Rilke zieht sich die Sezession auch ganz charakteristisch durch das ganze Fr\u00fchwerk hindurch. Werke wie <em>Advent<\/em>, <em>Mir zur Feier<\/em>, <em>Das Stunden-Buch<\/em>, <em>Die Weise von Liebe und Tod des Corners Christoph Rilke<\/em>, das <em>Buch der Bilder<\/em> und vielleicht auch noch zum Teil die <em>Neuen Gedichte<\/em> k\u00f6nnen als sezessionistisch betrachtet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im <em>Stunden-Buch<\/em> zeigt sich vielleicht am deutlichsten die sog. &#8220;Spitzenseele&#8221;, die vertikale Geistigkeit der Sezession, die der Gotik irgendwie \u00e4hnlich ist, und die sich zum Teil auch im Expressionismus fortsetzt. Diese Geistigkeit schafft \u00fcbrigens auch auf den sezessionistischen Gem\u00e4lden jene so typyschen, schlanken Frauen mit kleinem Kopf und langen Haaren.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ich des <em>Stunden-Buch<\/em>s, das , m\u00f6nchische Alterego steht vor allem nicht der Welt sondern sich selbst gegen\u00fcber. Er will sich \u00fcberwinden, will verrinnen, und mit dem immer wieder neu begonnenen Kreisen um Gott will er sich aufbauen. Das ist der richtige Ausgangspunkt  der Sezession bei Rilke: das Werden des Ichs, das Wachsen; das Schaffen eines gewaltigen Ornaments, das manchmal auch Symbolisches in sich schlie\u00dft. Durch das Ornament wird das lyrische Ich des <em>Stunden-Buchs<\/em> begriffen; er will eigentlich nichts mehr, als durch sein Verrinnen, sein wellenartiges, in sich immer wiederkehrendes Wachsen von sich selbst beschrieben werden. &#8220;Ich will mich beschreiben wie ein Bild, das ich sah&#8221;, hei\u00dft es, oder anderswo \u00fcber die Tage ist zu lesen, da\u00df sie &#8220;nichts bedeuten als ein wiederkehrendes Wellenschlagen und nichts verlangen, als ein Bild zu tragen&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p>Der <em>Cornet<\/em> ist nicht weniger sezessionistisch, und hat auch viele \u00c4hnlichkeiten mit dem <em>Stunden-Buch<\/em>: die beiden Werke sind ja etwa zur selben Zeit entstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Reiter des <em>Cornet<\/em> stehen alle einer unsinnigen, derben Wirklichkeit gegen\u00fcber, und sie fl\u00fcchten davor immer nur in den Traum und die Erinnerung. Getr\u00e4umt wird allerorts un d allezeit, und der Traum wird oft zu einem nicht mehr zu begreifenden Ornament, zu einem vom Schicksal der Reiter bereits unabh\u00e4ngigen Bild: &#8220;Und ist ein Fest geworden, kaum wei\u00df man wie. Die hohen Flammen fleckten, die Stimmen schwirrten, wirre Lieder klirrten aus Glas und Glanz, und endlich aus den reifgewordnen Takten entsprang der Tanz. Und alle ri\u00df er hin. Das war ein Wellenschlagen in den S\u00e4len, ein Sich-Begegnen und ein Sich-Erw\u00e4hlen, ein Abschiednehmen und ein Wiederfinden, ein Glanzgenie\u00dfen und ein Lichterblinden und ein Sich-Wiegen in den Sommenwinden, die in den Kleidern warmer Frauen sind.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p>Das <em>Buch der Bilder<\/em> ist zwar nicht einheitlich, enth\u00e4lt verschiedene Gedichte, es geht aber immer noch um das gleiche Erlebnis, wie im <em>Stunden-Buch<\/em> oder dem <em>Cornet<\/em>. Leben wird hier n\u00e4mlich auch noch als &#8220;Traum eines Traumes&#8221; betrachtet, es wird auch hier vom Leben getr\u00e4umt. Der Unterschied besteht aber darin, da\u00df das <em>Buch der Bilder<\/em> die &#8220;Dinge&#8221; zum Thema hat, die sich aber oft zum stilisierten Bild verwandeln, wie das z.B. <em>Der Knabe<\/em> u.a. zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die beiden ungarischen Schriftsteller zu sprechen gekommen, m\u00fcssen wir gleich den Akzent auf die Opposition der ungarischen Sezession zur vorangehenden volksnationalen Stilrichtung  legen; das ist aber nicht nur f\u00fcr Babits und Kosztol\u00e1nyi und im allgemeinen f\u00fcr die erste Generation um die &#8220;<em>Nyugat<\/em>&#8220;,  sondern bereits f\u00fcr die Novellisten im ausgehenden 19. Jahrhundert sehr charakteristisch. Demgegen\u00fcber wurden in \u00d6sterreich die vorangehenden Stilrichtungen in der literarischen Sezession eher synthetisiert, aber jedenfalls nicht verneint.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Sezession bei Hofmannsthal, aber auch noch bei Rilke spielt im wesentlichen eine gr\u00f6\u00dfere Rolle als bei Babits oder Kosztol\u00e1nyi.<\/p>\n\n\n\n<p>Babits hat zwar ein \u00e4hnliches Grunderlebnis wie Hofmannsthal z.B., das hat aber keinen das ganze Fr\u00fchwerk umfassenden sezessionistischen Stil zur Folge. Was bei Hofmannsthal einen sezessionistischen Rahmen bildet, ist bei Babits gegebenenfalls  n\u00fcchterne, objektive Lyrik, die das Problem des \u00c4sthetischen eher beschreibt als darstellt, wie z.B. das ber\u00fchmte Gedicht <em>A l\u00edrikus epil\u00f3gja<\/em> (Der Epilog des Lyrikers) mit der Aussage: &#8220;nur ich kann der Held meines Gedichtes sein&#8221;. In vielen Gedichten wird die Opposition des lyrischen Ichs zur gemeinen Au\u00dfenwelt fixiert, es fehlt ja aber oft die Weiterf\u00fchrung des gegebenen, konkreten Bildes ins Metaphorische, was ein wesentliches Merkmal der Sezession ist. <em>Fekete orsz\u00e1g<\/em>  (Schwarzes Land) ist demgegen\u00fcber ein Beispiel daf\u00fcr, da\u00df das konkrete Bild zwar aufgehoben wird, aber es wendet sich nichtig eine metaphorische Bezugslosigkeit, sondern ins Symbolische. Nun, die Sezession hat im wesentlichen zwei voneinander gut zu trennende Typen bei Babits. Der eine  Typ z.B. im Gedicht <em>Hymne an Iris<\/em> zu entdecken. Dieses Gedicht stellt den Ausbruchswunsch des Ichs, seinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit dar, und zwar auff\u00e4llig k\u00fchl. Der Beschreibung der Lage des Ichs und der Anbetung der Iris folgt ein Traumbild aber, das als sezessionsartig betrachtet werden kann, und dessen Funktion ist, dem steigernden Ma\u00dfe des Wunsches entsprechend das Bild gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig weiterzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnlicherweise hat das Sezessionistische innerhalb des Ganzen eine grundlegende stilistische Funktion im <em>G\u00f3lyakalifa<\/em> (Storchkalif), des ersten , 1913 geschriebenen Roman von Babits. In diesem eigenartigen psychologischen Roman bezeichnet das Sezessionistische die aristiokratische Absonderung  des Wachseins  dem in qualvollen Tr\u00e4umen erscheinenden Unreinen gegen\u00fcber; Elem\u00e9r T\u00e1bory, die Hauptgestalt des Romans ist n\u00e4mlich ein geborener Aristokrat, Sohn einer vornehmen Familie, den &#8211; stark nach den Freudschen Prinzipien motiviert &#8211; im Traum das Unreine der Welt qu\u00e4lt. Er fl\u00fcchtet oft ins Wachsein &#8211; wenn es gesagt werden kann: das ist eine eigenartige Sezession &#8211; , was aber auch nur Traum zu sein scheint, denn das alles kommt ja aus der Erinnerung hervor. Die Erinnerung von Elem\u00e9r T\u00e1bory an seine Tante z.B., deren schmale Figur sich silbrig schimmernd auftut, ist etwas rein Sezessionistisches.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den anderen Typ der Sezession bei Babits (etwa in den Gedichten <em>Strahl<\/em> und <em>Dornr\u00f6schen<\/em>) ist charakteristisch, da\u00df das Sezessionistische vor dem lyrischen Ich als Betrachter aufgeht. All das kn\u00fcpft sich ja an die Reihe der sog. Rollengedichte von Babits; unter den verschiedensten Rollen  gibt es bei ihm auch ein sezessionistisches Rollenspiel. Das lyrische Ich spielt hier die Rolle eines Bildbetrachters, vor dem sich ein sezessionistisches Gem\u00e4lde mit seinen dynamischen, rankenm\u00e4\u00dfigen Formen, eigenartigen Motiven auftut. In den Gedichten <em>Strahl <\/em>und <em>Dornr\u00f6schen<\/em> z.B. k\u00f6nnen wir den direkten Bezug dieser Sezession auf die sezessionistische Malerei bei Klimt, Behrens und Morris entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p>In den fr\u00fchen Werken von Kosztol\u00e1nyi &#8211; in seinen Skizzen, Novellen und Gedichten &#8211; spielt die Sezession eine viel gr\u00f6\u00dfere Rolle als bei Babits, sie ist aber auch hier kein allumfassender Stil. Die Sezession erscheint bei ihm mit anderen Stilen eng verbunden, so da\u00df man das Sezessionistische oder Sezessionsartige  nur schwer vom Symbolistischen und Impressionistischen trennen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die fr\u00fche Novellist von Kosztol\u00e1nyi ist im wesentlichen charakteristisch, da\u00df sie verschiedene Stimmungen wiedergeben will. Im Interesse dessen wurde ein zauberhafter Stil entwickelt, der u.a. auch Sezessionsartige in sich schlie\u00dft. Einen sezessions\u00e4hnlichen Stil hat z.B. die traumhafte Erinnerung in der Novelle <em>Sakkmatt<\/em> (Schachmatt) zur Folge: &#8220;Ich erinnere mich auch heute noch an dieses Haus, wo alles aus Elfenbein, Ebenholz und Silber besteht. Ich h\u00f6re auch noch jetzt das ahnungsvolle Get\u00f6se der Perlmuschel. Durch die Fenster \u00fcber der Toreinfahrt schien fein-gr\u00fcnes, gelbliches und bla\u00df-lila Licht durch.&#8221; All das ist aber nur die stimmungsvolle Vorbereitung der darauf folgenden Feststellung: &#8220;Alles, was ahnungsvoll und gro\u00dfartig war, fan ich in diesem Haus.&#8221; Viele andere Beispiele k\u00f6nnten wir noch erw\u00e4hnen, es w\u00fcrde sich aber herausstellen, da\u00df das Sezessionistische in den fr\u00fchen Novellen bei Kosztol\u00e1nyi nie nach einem allgemeinen Prinzip begriffen werden kann; es ist immer nur aus dem engsten Kontext zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die fr\u00fchen Gedichtb\u00e4nde von Kosztol\u00e1nyi &#8211; etwa bis 1912 &#8211; haben auch eine eigenartige sezessionistische Pr\u00e4gung. Unter denen ist der Band <em>Egy szeg\u00e9ny kisgyermek panaszai<\/em> (Die Klagen eines armen Kindes), 1910 erschienen, zweifellos am vollkommensten und auch vom Aspekt unserer Untersuchungen her ist er weitgehend am bedeutendsten. Allein in diesem Band bekommt die Sezession bei Kosztol\u00e1nyi eine das ganze Werk umfassende und auch andere Stile synthetisierende Funktion. Es wird sehr oft behauptet, da\u00df <em>Die Klagen eines armen Kindes<\/em> impressionistisch sei; interessanterweise behauptet aber auch \u00c4hnliches die in Ungarn herausgegebene <em>Geschichte der deutschen Literatur<\/em> \u00fcber Rilkes <em>Stunden-Buch<\/em>. Im Falle von Rilke ist es aber vielleicht noch viel mehr augenf\u00e4lliger, da\u00df es nicht um Impressionismus geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Sezessionsartig ist bereits die Ausgangssituation im Band <em>Die Klagen eines armen Kindes<\/em>;  es wird n\u00e4mlich vom dichterischen Ich \u00fcber die Kindheit getr\u00e4umt. Aber auch das kindliche Alterego tr\u00e4umt fast immer: tr\u00e4umt als Kranker, tr\u00e4umt als Einsamer und als Trauriger, sogar auch noch der Hund tr\u00e4umt hier. Damit wird n\u00e4mlich am pr\u00e4gnanten ausgedr\u00fcckt, da\u00df es in diesem Werk hauts\u00e4chlich um die Gegen\u00fcberstellung des Ichs und der Welt geht: &#8221; Ich habe Angst \/ Vor dem Leben und der Dunkelheit&#8221;, bekennt das kleine Kind, und, alll das  hat die Flucht aus der gemeinen Welt zur Folge. Nicht Reize von der Welt werden direkt  empfangen, sondern Wirkungen, Gegenst\u00e4nde der Umwelt werden in einem traumhaften Zustand zur Sch\u00f6nheit verwandelt. So z.B. im Zusammenhang mit dem Onkel Doktor, vor dem das Kind verst\u00e4ndlicherweise Angst hat, ist zu lesen: &#8220;Aus seiner Hand f\u00e4llt manchmal auf meine Decke eine bla\u00dfe, milde Blume&#8221;. Und wir k\u00f6nnten noch viele andere Beispiele erw\u00e4hnen: die Finger der guten Mutter sind aus Elfenbein, die Glast\u00fcr aus Silber und Gold, der Mond geht silbrig auf, sogar die Sonate, die die Mutter spielt, ist aus Silber, und das Licht ist flie\u00dfendes Gold usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben hier nicht die Absicht, die <em>Klagen eines armen Kindes<\/em> eingehend zu analysieren; wir wollten nur mit einigen vorgebrachten Merkmalen darauf hinweisen, da\u00df dieses Werk &#8211; trotz der Meinung vieler &#8211; als etwas  Sezessionistisches betrachtet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Schwierigkeit der Beurteilung dieses Bandes z.B. wirft aber auch eine neue Frage auf: Was ist das richtige Verh\u00e4ltnis zwischen Impressionismus und Sezession?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\">&#8212;&#8211; o&#8212;&#8211;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(In: NEOHELICON XI 1 Budapest, Amsterdam, 1984. 125-134.) Eine Reihe von Problemen ergibt sich in Bezug auf die Sezession, die zwar die Literaturwissenschaft bereits seit vielen Jahren zu kl\u00e4ren versucht. Es bleiben immer noch viele Fragen ohne eine befriedigende Antwort. H\u00f6chst problematisch ist bereits die Benennung Sezession; ob &#8220;Jugendstil&#8221;, &#8220;art nouveau&#8221; oder &#8220;new style&#8221; entsprechender &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/onodi.at\/?page_id=214\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &#8220;Die Sezession beim jungen Hofmannsthal und Rilke bzw. Babits und Kosztol\u00e1nyi (1983)&#8221;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-214","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/214","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=214"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/214\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":270,"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/214\/revisions\/270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/onodi.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=214"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}